Arp Schnitger

Getauft am 9.Juli 1648 in Golzwarden/Unterweser

  Begraben 28.Juli 1719 in Neuenfelde

 

Arp Schnitger war der bedeutendste "Orgelmacher" des Barock in Norddeutschland und Nordeuropa. Sein Werk umfaßt nach heutigem Stand etwa 180 Neu- und Umbauten, von denen weltweit noch 48 in verschiedenem Umfang erhalten sind.
Schnitger-Material befindet sich außerdem in einer Anzahl Orgeln, die später durch einen Neubau ersetzt wurden. Dabei wurde manchmal Material von Schnitger übernommen, so wie er es auch oft tat und welches auf die Art ebenfalls erhalten ist.

Kurzbiographie
In Schmalenfleth geboren, das genaue Datum ist bisher nicht bekannt, findet sich am 9. Juli 1648 der Eintrag im Taufregister zu Golzwarden, dem Nachbarort. Nachdem er bei seinem Vater das Tischlerhandwerk erlernt hatte, ging er 1666 zu seinem Onkel Berendt Hus nach Glückstadt, um sich im Orgelbau ausbilden zu lassen. Hus war zu der Zeit in Norddeutschland schon eine namhafte Größe im Orgelbau. Schnitger war ab den 1670er-Jahren durch sein anerkanntes Geschick offenbar schon mehr als nur Geselle dort. Er baute mit Hus zusammen die neue große Orgel für St.Cosmae und Damian in Stade bis 1675. Hus verstarb 1676 und Schnitger übernahm, keine 30 Jahre alt, die Werkstatt. Er vollendete 1678 die noch bei Hus beauftragte, ebenfalls neue Orgel der Wilhadi-Kirche in Stade. Das damit begründete Renommee bescherte ihm alsbald neue Aufträge, wie z.B. in Hamburg, St.Johannis-Kloster 1680 (heute in Cappel), Oederquart 1682 und in Steinkirchen 1685. Einen vorläufigen Höhepunkt markiert der Auftrag für die neue Orgel der Hamburger Nikolaikirche 1687, mit IV/67, einem Werk, welches vielfach als das damals Weltgrößte bezeichnet wird.
Ab 1691 begannen Kontakte Schnitgers nach Groningen. Mit der Erweiterung der Orgel in der Martinikirche um die Pedaltürme 1692 begann auch hier sein Ruf. In der ganzen Provinz und in der Stadt Groningen entstanden in der Folgezeit Neu- und Umbauten. Für die jeweiligen Gehäuse hatte er den Groninger Tischlermeister Allert Meijer verpflichtet. Eine Wahl, die sich als sehr glücklich herausstellte. Für Schnitger war Meijer auch ein freundschaftlich verbundener Geschäftspartner, der sein Vertrauen genoss.
Sowohl in Deutschland, den Niederlanden und in anderen Ländern Europas entstanden im Laufe der Zeit zahlreiche Instrumente.
Schnitger heiratete 1684 Gertrude Otte aus Neuenfelde. Ab 1693 übernahm er den Hof seines Schwiegervaters, der spätere "Orgelbauerhof". Ab 1705 hatte er Neuenfelde zu seinem ständigen Wohnsitz gewählt. Aus dieser Ehe entstammten 2 Töchter und 4 Söhne. Seine Frau starb jedoch 1707, ein Jahr später ertrank der 2.Sohn Hans in der Elbe und 1712 starb der älteste Sohn Arp. 1713 heiratete er die Witwe des Küsters von Abbehausen, Anna Elisabeth Koch.
Während der Planung der neuen Orgel in der Grote Kerk zu Zwolle verstarb Arp Schnitger im Juli 1719. Das Werk wurde schließlich von seinen jüngeren Söhnen Johann Georg und Frans Caspar erbaut und 1721 fertiggestellt.


Orgeltypus
Schnitger hatte keinen neuen Orgeltypus geschaffen. Der spätestens mit Gottfried Fritzsche erreichte Entwicklungsstand im hanseatisch-norddeutschen Raum wurde von ihm nur konsequent angewendet. Dieser Stil wurde durch seine Schüler und ehemaligen Mitarbeiter im 18. Jahrhundert fortgeführt. Seine Werkstatt bestand in Groningen noch bis 1863.

Gründe für den Erfolg
Der Grund für seinen Erfolg liegt einerseits in der klanglichen und baulichen Ökonomie seiner Instrumente, andererseits in der Tatsache, daß er ebenso Geschäftsmann war, der es verstand, seine Leistungen an geeigneter gesellschaftlicher Stelle bekanntzumachen und Verbindungen zu knüpfen, auch zu bekannten und bedeutenden Organisten. Es gelang ihm auch, sich innerhalb der Handwerker-Zünfte zu behaupten und relativ ungestört arbeiten zu können. Sein Betrieb ist in damaliger Zeit ohne Beispiel.
Eine Parallele dazu findet sich z.B. eine Generation später bei Gottfried Silbermann in Sachsen wieder.


Besondere Merkmale seiner Orgeln

  • Überwiegend sehr gute Materialien
  • Klarer Werkaufbau aus der Tradition Scherer - Fritzsche - Stellwagen
  • Festes Prospektschema: Spitztürme, Diskantfelder übereinander, polygonaler Rundturm in der Mitte
  • Kräftige Prinzipale und Mixturen für den Gemeindegesang
  • Reich besetztes Pedal insbesondere bei größeren Orgeln
  • Verschmelzungsfähige Zungenstimmen
  • Verschiedenartige und klangvolle Flötenstimmen
  • Vielfach Verwendung alter Register aus Vorgängerinstrumenten

Die Orgelbeschreibungen
Es werden als Katalog ausschließlich nur erhaltene Schnitger-Orgeln auf dieser Webseite vorgestellt. Das sind entweder Gehäuse/Prospekte, oder erhaltene Klang- und Werksubstanz, oder beides zusammen, jeweils in unterschiedlichem Umfang.
Die angegebene Größe ist immer die Heutige.

Herkunft der Daten
Alle Einzelangaben zu den Orgeln werden bestmöglichst recherchiert und basieren auf privaten Unterlagen, diversen Publikationen und dem Internet. Sie sind bewußt eher kurz und übersichtlich gehalten.
Wenn etwas nicht wahrheitsgemäß erscheinen sollte, bitte nicht schimpfen oder für sich behalten, sondern dem Autor per Mail einen Hinweis geben. Dieser ist dankbar dafür. Auch davon lebt dieses Webangebot.
Für weitergehende Informationen wird auf die Literatur verwiesen, deren Auflistung  hier nachgelesen werden kann, sowie dieser Webseite in englisch/niederländisch, auf der auch Angaben zum Gesamtwerk Schnitgers zu finden sind (keine Haftung!).

Taufbuch Golzwarden, mit Eintrag Arp Schnitger am 9.Juli 1648     Signum Schnitgers         Gemälde an der Empore in Golzwarden - Zeigt es Schnitger?