Corvey, Klosterkirche


 
Corvey

Klosterkirche St.Stephanus und Vitus, kath.

1681-83 Andreas Schneider, Höxter, IIP/32


Der Auftrag für Schneider war damals eines der größten Orgelbauprojekte in Westfalen, denn er enthielt neben der großen Orgel auch den Bau einer Chororgel mit 2 Manualen und 18 Register an. Sie ist in Teilen des Gehäuses in Amelunxen erhalten. Bedauerlich ist, dass Andreas Schneider bereits 1685 jung verstarb. Die Orgelweihe der großen Orgel war 11.November 1683.

Sehr bemerkenswert u.a. sind in Corvey die Prospektpfeifen, deren Labien eine ganz eigene Form, "Engelszungen", aufweisen. Diese sind auch an der Schneider-Orgel in Gehrden zu sehen. Auffallend auch ist die große Zahl der Figuren und Verzierungen, insbesondere und sehenswert die 4 "emporetragenden", mehr als lebensgroßen Engelsfiguren. Dies und die übrige Gestalt der Orgel im "Fürstenberger Rot" fügen sich nahtlos in den hochbarocken Kirchenraum ein.

2009 wurden Bleifraß und Klimaschäden festgestellt, die das Werk ernsthaft gefährden. Daraufhin hatte sich die Initiative "CHORUS" gegründet, die sich die Wiederherstellung der Orgel zum Ziel gesetzt hat und bis 2021 namhafte Mittel gesammelt hatte.

Am 12.Juni 2021 konnte das wertvolle Instrument wieder eingeweiht werden.

Zur Chronologie der Orgel siehe unten.




 
I. Hauptwerk CD-d3 II. Brustwerk CD-d3 Pedal CD-d1
Bordun
Praestant
Violdigambe
Gemshorn
Quintadena
Quinta
Oktava
Quinta
Flöte
Gr. Sesquialtera 2fach
Mixtur 4fach
Zimbel 3fach
Dulcian
Trompete
 
16
8
8
8
8
6
4
3
2

2
1/2
16
8

Gedackt
Octava
Gedackt
Gemshorn
Quintflöte
Blockflöte
Spitzquint
Sesquialtera 3fach
Mixtur 3fach
Krummhorn

Glockenspiel c1-c3
8
4
4
4
3
2
1 1/2
 
1
8

Praestant
Quintadena
Octava
Rohrflötbaß
Mixtur 4fach
Posaunenbaß
Trompetenbaß
Cornetbaß
16
16
8
1
4
16
8
4

14 10 8
Originale Prospektpfeifen
Der originale Pfeifen-Bestand von Schneider wird mit ca. 1/3 angegeben
Originale Springladen im Hauptwerk und Pedal
Mitteltönige Stimmung mit 8 reine großen Terzen
Stimmtonhöhe 462 Hz
Schiebekoppel Brustwerk - Hauptwerk
1681-1683 Neubau durch Schneider. In allen Teilwerken wurden Springladen verwendet.

1718 Einbau eines Rückpositivs durch den ehemaligen Schnitger-Gesellen Matthias Naumann, Hildesheim. Diese Arbeit ist in den Archiven belegt.

1743 Einbau eines Glockenspiels durch Stephan Kohlen, Gottsbüren

Um 1785 "Hauptreparatur" durch Johann Stephan Heeren, Gottsbüren. Dabei wahrscheinlich Umbau der Laden von Haupt- und Brustwerk zu Schleifladen, Entfernung des Rückpositivs mit 10 Registern, inklusive der Vox humana. Dieses Werk wurde auf dem "Cohr" als eigenständiges Positiv aufgebaut.

Um 1813 "nur oberflächliche" Reparatur durch Gebr. Oestreich

Vermutlich um 1825 Reparatur und Austausch von Registern durch Johann Adam Oestreich. 1839 waren schon neue, romantische Register vorhanden (siehe Gutachten)

1839/40 Reparatur durch Johann Dietrich Kuhlmann, Gottsbüren. Grundlage war ein Gutachten von Johann Christoph Heeren. Ohne Dispositionsänderung.

1869 Reparatur durch Karl August Randebrock, Paderborn, u.a. mit Dispositionsänderung.

1950 Tiefgreifende Reparatur durch Fa. Hammer, Hannover

1963-65
Restaurierung durch Paul Ott, Göttingen.
Neu sind die Schleiflade im Brustwerk, das Glockenspiel, die Koppeln und der Tremulant

1994 Instandsetzung durch Siegfried Sauer, Ottbergen

2009 Feststellung von Bleifraß und Klimaschäden

2016 Im Oktober Beginn der Restaurierungsarbeiten durch die Firma Flentrop, Zaandam/Niederlande

  • In den Manualwerken das große Cis entfernt
  • Im Pedalwerk Mixtur auf 4-fach reduziert
  • Die Tremulanten im HW und BW nicht wieder eingebaut
  • Die Schleiflade des Brustwerks beibehalten
  • Das Glockenspiel im BW beibehalten
  • Die Pedalkoppeln nicht wieder eingefügt
  • Nur noch eine Koppel: Brustwerk an Hauptwerk als Schiebekoppel
  • Neue Balganlage
  • Anlegen der ursprünglichen, rein mitteltönigen Stimmung

2021 Im Juni Abschluss der Arbeiten

Die Gesamtkosten blieben knapp unter 1 Million Euro, wobei der weitaus größte Teil durch Spenden und Zuschüsse aufgebracht werden konnte.